02.02.2015

Selbstdarstellung in Echtzeit: Mit Kindern über Risiken sprechen

Bei „YouNow“ präsentieren sich Nutzer per Live-Stream und erzählen von sich. Gerade für Heranwachsende ist das Angebot aufgrund der Risiken für Daten- und Jugendschutz ungeeignet. „SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht“, der Medienratgeber für Familien, empfiehlt, Kinder über die Risiken von Veröffentlichungen auf Videoplattformen aufzuklären und gemeinsame Sicherheitsregeln zu vereinbaren.

Das Angebot ist per App sowie im Browser bedienbar und bekannt, weil es auch viele YouTube-Stars nutzen. Doch während bei YouTube fertig produzierte Videos hochgeladen werden, überträgt YouNow das Leben in Echtzeit. Nutzer berichten aus ihrem Leben und antworten per Webcam auf Fragen von Zuschauern, mit denen sie sich in einem begleitenden Chat unterhalten können. Gerade viele Kinder und Jugendliche geben viel von sich preis, um interessant für Zuschauer zu sein und somit mehr Likes und Fans zu bekommen. Teilnehmer benötigen einen Facebook-, Google+- oder Twitter-Account und müssen mindestens 13 Jahre als sein - das Alter wird jedoch nicht geprüft. Schwierig ist auch, dass die Zuschauer anonym bleiben und mit widrigen Absichten die Unbedarftheit der Heranwachsenden ausnutzen können. Zudem können Nutzer mit pornografischen Inhalten belästigt werden.

„Für Kinder und Jugendliche sind solche Dienste ungeeignet, denn sie wissen nicht, wer zuschaut. Zudem können diese persönlichen Aufnahmen schnell online kursieren und in falsche Hände gelangen“, meint SCHAU HIN!-Mediencoach Kristin Langer. „Es ist wichtig, dass Eltern die Übersicht behalten, welche Angebote ihr Kind nutzt und mit wem es sich austauscht.“

Verhalten im Internet in der Familie besprechen

Eltern und Kinder treffen am besten folgende gemeinsame Vereinbarungen:

1. Anmeldungen bei und Nutzung von Internetdiensten immer erst mit den Eltern besprechen.
2. Nur unpersönliche Chatnamen verwenden, keine privaten Informationen veröffentlichen und bedenken, dass Bilder und Clips auch gespeichert und weiterverwendet werden können.
3. Kontakt zu fremden Chatpartnern vermeiden, sich zu nichts überreden lassen, unangenehme Gespräche abbrechen, den Chat verlassen und die Person melden sowie blockieren.
4. Den Chat niemals in privaten Räumen fortsetzen oder sich „real“ treffen.
5. Vereinbaren, dass sich Kinder bei Fragen oder unangenehmen Situationen an die Eltern wenden.

Jugendschutzfilter installieren

Neben der aktiven Begleitung durch die Eltern ist es auch ratsam, Sicherheitseinstellungen an den Geräten und im Browser zu aktivieren sowie ein Jugendschutzprogramm wie „JusProg“ oder die „Kinderschutz Software“ der Deutschen Telekom zu verwenden. Wichtig ist, dass Eltern diese Filter regelmäßig überprüfen und altersgerecht einstellen.

Alternativen anbieten

Für Kinder sind nur kindgerechte Chats zu empfehlen, die von geschulten Moderatoren begleitet werden. Ratsam ist zudem, bestimmte Chatzeiten festzulegen und Kindern zu vermitteln, dass sie nicht ständig verfügbar sein und antworten müssen. In vielen Chats ist es möglich „unsichtbar“ zu sein, so dass andere Nutzer nicht sehen, ob jemand online ist, oder angeben, man sei beschäftigt.

Als kindgerechte, interaktive Videoplattform empfiehlt sich www.juki.de (ab 8 Jahren). Sichere Chats und Foren für Kinder sind www.seitenstark.de/chat, www.kindernetz.de, www.tivi.de, www.chat.kindersache.de, www.helles-koepfchen.de/forum (alle ab 8 Jahren) und www.mein-kika.de (ab 10 Jahren). Über geschützte Surfräume wie den KinderServer (www.kinderserver-info.de) gelangen Kinder nur auf sichere und unbedenkliche Internetseiten. Tipps zum sicheren Chatten und einen Netzwerk-Atlas bietet „SCHAU HIN!“ (www.schau-hin.info). Hinweise erhalten Eltern auch unter www.chatten-ohne-risiko.net. Zudem bietet das Bundesfamilienministerium das Materialpaket „Chatten. Teilen. Schützen“ an. 

Über das Portal „I-KiZ“ (www.i-kiz.de) oder auf www.jugendschutz.net können Eltern und Kinder unangemessene Inhalte melden. Bei schwerwiegenden Fällen erhalten Kinder und Eltern Hilfe bei der Nummer gegen Kummer e.V. (Kinder- und Jugendtelefon: 0800-1110333, Eltern-Hotline: 0800-1110550) oder bei der Polizei (www.polizei-beratung.de). Weitere Unterstützung bieten die Initiativen „Missbrauch verhindern!“ (www.missbrauch-verhindern.de) sowie Zartbitter (www.zartbitter.de).

Anmerkung für Redaktionen: Wir vermitteln auch gern Interviewpartner zu dem Thema.

"SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht" ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, des Telekommunikationsunternehmens Vodafone, der beiden öffentlich-rechtlichen Sender Das Erste und ZDF sowie der Programmzeitschrift TV SPIELFILM. Der Medienratgeber für Familien unterstützt seit 2003 Eltern und Erziehende dabei, ihre Kinder im Umgang mit Medien zu stärken.

Projektbüro SCHAU HIN!
c/o WE DO communication GmbH GWA
Chausseestraße 13
D-10115 Berlin-Mitte
Hotline: +49 (0)30 / 52 68 52-132
Email: presse@schau-hin.info
www.schau-hin.info

PM Selbstdarstellung in Echtzeit (86 KB)