30.07.2015

Klarnamen-Pflicht bei Facebook: Private Daten schützen

Datenschützer in Deutschland setzen sich gegen die Klarnamen-Pflicht auf Facebook ein. „SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht.“, der Medienratgeber für Familien, rät Eltern, Anmeldungen zusammen mit ihrem Kind vorzunehmen, auf private Daten so gut es geht zu verzichten und die Einstellungen für Sicherheit und Privatsphäre möglichst strikt anzuwählen.

Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar geht wegen der Klarnamen-Pflicht gegen Facebook vor. Konkret geht es um eine Nutzerin, die unter Pseudonym angemeldet war. Facebook hat ihren Account gesperrt, einen amtlichen Ausweis gefordert sowie das Profil auf den echten Namen umgestellt. Caspar forderte Facebook auf, das Profil freizuschalten, da es laut deutschem Telemediengesetz möglich ist, Dienste auch anonym oder unter Pseudonym zu benutzen.

Mit Klarnamen und Profilbild gibt der Nutzer sensible Daten preis, die für alle anderen öffentlich sichtbar sind. Für Facebook erleichtern Klarnamen die Marketing- und Werbezwecke, aber auch das Sperren von Profilen. Zudem können andere Nutzer die Profile von Freunden leichter suchen, aber auch die Angaben dafür nutzen, an weitere Daten zu kommen und diese für Werbung, Betrug, Identitätsdiebstahl sowie Belästigungen nutzen. Das ist gerade bei Minderjährigen problematisch.

Profil gemeinsam einrichten

„Aufgrund des laxen Umgangs mit dem Daten- und Jugendschutz ist Facebook für Kinder und Jugendliche eher ungeeignet“, meint Kristin Langer, Mediencoach von SCHAU HIN!. Zudem liegt das Mindestalter für die Registrierung laut eigenen AGB bei 13 Jahren. Erlauben Eltern ihrem Kind die Nutzung, ist es ratsam, dass sie mit ihm das Profil einrichten und dabei genau auf die Sicherheits- und Privatsphäre-Einstellungen achten. So können sie einstellen, dass nur „Freunde“ das Profil ihres Kindes sehen oder ihr Kind kontaktieren können sowie Beiträge, in denen es markiert wird, vorher geprüft werden. Zudem empfiehlt es sich, das Profil aus Sicht anderer Nutzer anzuschauen. Anleitungen bietet SCHAU HIN! auf www.schau-hin.info/sicherheit. Da sich die Einstellungen immer wieder ändern, ist es ratsam, dass Eltern diese regelmäßig kontrollieren.

Voreinstellungen für Minderjährige nutzen

Wichtig ist, sich mit dem richtigen Alter anzumelden, da die Einstellungen für Minderjährige strikter als bei erwachsenen Nutzern voreingerichtet sind.

Keine privaten Daten angeben

Am besten besprechen Eltern mit ihrem Kind, dass es online möglichst keine privaten Daten wie Name, Adresse, Telefon- und Handynummer oder Standort preisgibt, das Profil oder einzelne Beiträge nur „Freunden“ zugänglich macht und genau prüft, wen es als „Freund“ aufnimmt. Nutzer können laut AGB von Facebook in ihrem Profil auch einen Spitznamen verwenden, wenn dieser eine Variante des amtlichen Namens darstellt, z.B. Steffi statt Stefanie. Zudem kann man auch bei Facebook eine Übersicht geteilter Informationen wie Chronik-Inhalte, Nachrichten und Chatunterhaltungen anfordern. Dazu kann man in den Einstellungen „Lade eine Kopie deiner Facebook-Daten herunter“ anwählen und dann auf „Mein Archiv aufbauen“ klicken.

Daten entfernen

Wenn man das Netzwerk nicht mehr nutzen möchte, sollte man seine Mitgliedschaft beenden und die dauerhafte Löschung des Profils beantragen, statt das Konto nur zu deaktivieren. Dann sollten laut Facebook nach spätestens 90 Tagen die Daten von allen Servern verschwunden sein. Facebook bietet dazu eine Hilfe an: https://de-de.facebook.com/help/224562897555674.

Kindgerechte und sichere Netzwerke wählen

SCHAU HIN! empfiehlt, dass Eltern zusammen mit ihrem Kind ein soziales Netzwerk aussuchen, das dem Alter, den Interessen und dem Schutzbedürfnis es Kindes entspricht. Kindgerechte Communitys sind leicht zu bedienen, altersgerecht gestaltet und von Moderatoren begleitet, die notfalls in die Diskussion eingreifen können. Die Anmeldung erfordert die Erlaubnis der Eltern und verzichtet weitgehend auf sensible Daten wie etwa den Klarnamen. Beispiele sind chat.seitenstark.de, tivitreff.de, knipsclub.de, juki.de (alle ab 8 Jahren) oder mein-kika.de (ab 10 Jahren). Diese und weitere Angebote finden Eltern auf www.schau-hin.info im Bereich „Soziale Netzwerke“. Zudem verzichten auch andere Netzwerke für Jugendliche und Erwachsene wie „Ello“ auf die Klarnamenpflicht.

„SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht“ ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, des Telekommunikationsunternehmens Vodafone, der beiden öffentlich-rechtlichen Sender Das Erste und ZDF sowie der Programmzeitschrift TV SPIELFILM. Der Medienratgeber für Familien unterstützt seit 2003 Eltern und Erziehende dabei, ihre Kinder im Umgang mit Medien zu stärken.

Anmerkung für Redaktionen: Wir vermitteln auch gern Interviewpartner zu dem Thema.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

SCHAU HIN!
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Karsten Neumann
Telefon: 030 52 68 52-132 | Telefax: -222
info@schau-hin.info | www.schau-hin.info

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