25.05.2016

Hate Speech: Kinder aufklären und schützen

Rechte Hetze im Netz nimmt zu. Auch immer mehr Heranwachsende sind damit konfrontiert. „SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht“, der Medienratgeber für Familien, empfiehlt Eltern, ihr Kind über Propaganda aufzuklären und diese zu melden.

Extremistische Inhalte im Netz nehmen zu: Rechtsextreme oder Islamisten unterwandern politische Diskussionen und verbreiten verzerrte oder falsche Informationen, die Kinder und Jugendliche nur schwer durchschauen können, oder auch drastische Gewaltdarstellungen wie Hinrichtungen und Tote aus Kriegsgebieten. Sie propagieren die Ungleichwertigkeit von Menschen, verunglimpfen den demokratischen Rechtsstaat und stacheln zu Hass und Gewalt an.

Kinder und Jugendliche gefährdet
Viele extremistische Parolen im Netz sind in modern gestalteten Inhalten wie Sharepics, Comics und Clips mit Spezialeffekten und Animationen oder Einladungen zu Flashmobs und Online-Events verpackt. Sie geben sich einen rebellischen Anstrich und ködern gezielt Jugendliche auf der Suche nach Orientierung, Zugehörigkeit und Anerkennung. Auch in Onlinespielen wird extremes Gedankengut verbreitet, über Nutzernamen, Spielergilden sowie begleitende Chats.

Über Propaganda aufklären und diese melden
„Medien sozialisieren Kinder, prägen Einstellungen und ihr Verhalten. Deshalb ist es wichtig, dass Eltern ihre Kinder im Netz begleiten, über die Bedeutung und mögliche Konsequenzen extremistischer Parolen aufklären und ein offenes Ohr haben“, empfiehlt SCHAU HIN!-Mediencoach Kristin Langer. So können die Kinder sich mitteilen, wenn sie auf ungeeignete Inhalte oder Personen im Netz treffen. Erfahren Eltern, dass ihr Kind mit fremdenfeindlichen Beiträgen konfrontiert wurde, sollten sie sich diese zeigen lassen, darüber sprechen und diese melden. Zudem ist es wichtig, das Selbstvertrauen des Kindes zu stützen und falschen Informationen auch argumentativ zu begegnen.

Die folgenden fünf Tipps helfen Eltern, ihre Kinder vor Hetze im Netz zu schützen:

1. Quellen kritisch prüfen: Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind, Websites sowie Profile und Seiten in sozialen Netzwerken kritisch zu prüfen, auch Freundschaftsanfragen. Die Polizei bietet online eine Übersicht zu rechten Symbolen und Zeichen: www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/rechtsextremismus/erscheinungsformen/symbole-erkennungszeichen.
2. Propaganda entlarven: Nicht jeder menschenfeindliche Beitrag ist als solcher offensichtlich. Prüfen Sie gemeinsam Posts zu Überfremdung, Deutschenhass oder Kriminalität durch Ausländer und Flüchtlinge, ziehen Sie objektive Fakten heran und stärken Sie so Ihr Kind auch argumentativ. Wissenswertes zum Thema für Kinder: www.schau-hin.info/extrathemen/medien-und-migration.

3. Hassparolen melden: Animieren Sie Ihr Kind, extremistische Inhalte oder Nutzer in Absprache mit Ihnen zu melden, da sie oft gegen deutsches Recht oder die Geschäftsbedingungen der Dienste verstoßen. Ansprechpartner sind in Netzwerken die Betreiber sowie bei Webseiten bestimmte Beschwerdestellen wie www.jugendschutz.net, www.internet-beschwerdestelle.de oder www.i-kiz.de. Als Beweise dienen Links bzw. Screenshots mit Notizen zu Datum, Uhrzeit und Nutzernamen.  Das Bundesfamilien- und das Bundesverbraucherschutzministerium haben eine Task Force „Hate Speech“ eingerichtet, um stärker zu prüfen, wie Social-Web-Seiten mit diesen Inhalten umgehen.

4. Informieren und thematisieren: Wenden Sie sich an die Schule oder Beratungsstellen, wenn Ihr Kind vermehrt mit Hate Speech konfrontiert wird. Informationen und Beratung bieten www.online-beratung-gegen-rechtsextremismus.de, www.hass-im-netz.info, www.netz-gegen-nazis.de, www.klicksafe.de/rechtsextremismus oder www.jugendschutz.net/politischer-extremismus.

5. Sensibilisieren und schützen: Verdeutlichen Sie Ihrem Kind durch einen Perspektivwechsel, welches menschenfeindliche Weltbild hinter Hate Speech steht: „Was wäre, wenn Du flüchten müsstest und dich niemand willkommen heißt?“ oder „Was wäre, wenn du nur wegen deines Glaubens beschimpft wirst?“. Stärken Sie das Selbstvertrauen des Kindes, damit es sich leichter von gefährdenden Inhalten und Personen distanzieren kann. Animieren Sie Ihr Kind, Einstellungen der Angebote zu nutzen und auf die Angabe privater Informationen wie Namen, Wohnort oder Schule verzichten, um sich selbst zu schützen.

Auf dem Dt. Katholikentag hält SCHAU HIN!-Mediencoach Kristin Langer am 27. Mai, 11-12.30 Uhr, einen Vortrag zu „Gewalt im Netz“, SCHAU HIN!-Beirat Walter Staufer am 28. Mai zum „Umgang mit Smartphone, Tablet und Lerncomputer“, beide in der Gutenbergschule Raum 14. Zudem bietet klicksafe mit der Amadeu Antonio Stiftung am 7. Juni, 15 Uhr, ein Webinar zu Hate Speech an.

„SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht.“ ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der beiden öffentlich-rechtlichen Sender Das Erste und ZDF sowie der Programmzeitschrift TV SPIELFILM. Der Medienratgeber für Familien unterstützt seit 2003 Eltern und Erziehende dabei, Kinder im Umgang mit Medien zu stärken.

Anmerkung für Redaktionen: Wir vermitteln auch gern Interviewpartner zu diesem Thema.

Kontakt
SCHAU HIN!
c/o WE DO
communication GmbH
Chausseestraße 13
10115 Berlin

Karsten Neumann
Tel.: 030 5268 52 132
Fax: 030 5268 52 222
E-Mail: info@schau-hin.info
Online: www.schau-hin.info

PM "Hate Speech: Kinder aufklären und schützen" (193 KB)