27.07.2016

Kinder über Falschmeldungen im Netz aufklären

Zum Amoklauf und den Attentaten kursieren online viele Falschmeldungen, die Panik verbreiten und dazu dienen, gegen andere zu hetzen. SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht, empfiehlt Eltern ihr Kind über solche Falschmeldungen aufzuklären.

So tauchten zum Amoklauf in München blitzschnell Bilder und Clips auf, die angeblich vom Münchner Olympia-Einkaufszentrum stammen und den Täter zeigen, aber aus dem Internet und einem völlig anderen Kontext kopiert wurden. Manche nutzen diese Aufnahmen auch, um gegen Geflüchtete und Menschen mit Migrationshintergrund zu hetzen. Zudem gab es Trittbrettfahrer, die ähnlich wie der Amokläufer zu einer bestimmten Zeit per Facebook zu einem Schnellrestaurant in ein Einkaufzentrum einluden, um Bevölkerung und Polizei zu alarmieren. Manche Absender versuchen über angebliche “Schock-Videos“ auch E-Mail-Adressen zu sammeln und Abos zu verkaufen, Viren zu verbreiten oder schlicht Links für ihre Website zu sammeln („Clickbaiting“).

„Viele nutzen den Schrecken solcher Ereignisse und die Unklarheit der Lage schamlos aus, um gezielt Panik zu schüren oder gegen andere zu hetzen. Wichtig ist, dass Jugendliche die Herkunft und Plausibilität solcher Aufnahmen in Ruhe prüfen, bevor sie sich vorschnell ihre Meinung bilden“, meint SCHAU HIN!-Mediencoach Kristin Langer.

Bewusst surfen
Eltern vereinbaren am besten mit ihrem Kind, dass es Profile und Webseiten meidet, die vor allem mit unseriösen Beiträgen werben. Erhält es von bestimmten Freunden oder Seiten oft unseriöse Inhalte oder Angebote, kann es deren Benachrichtigungen abstellen oder die (virtuelle) Freundschaft kündigen. Eltern können ihrem Kind zudem raten, generell ein kritisches Bewusstsein für Bilder oder Videos im Netz zu entwickeln und zu überlegen: Muss/will ich das wirklich alles sehen und was macht das mit mir?

Kritisch sein
Zunächst gilt es, die Aufnahme und den Kontext kritisch zu betrachten. Wer ist der Absender? Hat dieser andere zweifelhafte Beiträge in seinem Profil? Ist der Beitrag besonders reißerisch und unseriös geschrieben? Was ist im Umfeld der Aufnahme noch zu erkennen? Stimmen die bekannten Informationen zu Ort und Zeit mit dem Inhalt überein?

Auf andere Beiträge achten
Meist haben auch schon andere Nutzer den Beitrag als „Fake“ entlarvt und warnen davor. Auch Portale wie der Mimikama-Verein (mimikama.at) klären über die Website, Facebook sowie eine eigene Suchmaschine für Falschmeldungen über Internetmissbrauch auf, ebenso das Projekt hoaxmap.org, welches speziell Falschmeldungen rund um Geflüchtete geografisch darstellt.

Technische Dienste nutzen
Stoßen Kinder auf dubiose Aufnahmen, können sie sich auch an die Eltern wenden, um diese Aufnahmen gemeinsam zu prüfen. Bei manchen Bildern sind Hintergrunddaten auslesbar, sogenannte Exif-Informationen wie Angaben zu Kameramodell und Aufnahmeparametern, Datum, Uhrzeit oder GPS-Koordinaten. Auslesen kann man diese Daten zum Beispiel mit dem Exif Viewer. Im Zweifel kann man ein Bild per Rückwärtssuche mit Google (images.google.com) zurückverfolgen. Hierzu lädt man das Bild hoch oder zieht es direkt in die Suchleiste. Dabei analysiert Google das Bild inklusive Dateinamen und zeigt Webseiten an, auf denen dieses zu finden ist. Für YouTube-Videos kann man den YouTube-DataViewer von Amnesty International (amnestyusa.org/citizenevidence) nutzen und dort die URL des Clips eingeben. Nach der Suche erhält man Ausschnitte aus den Videos, die man wiederum für die Rückwärtssuche nutzen kann. Zudem wird das Upload-Datum angezeigt.

Fakes melden
Gerade wenn Fakes Hetze und Hass im Netz dienen, sollten Eltern die Beiträge direkt dem Betreiber melden oder Screenshots machen und sich damit an externe Stellen wie jugendschutz.net oder i-KiZ.de sowie in schweren Fällen an die Polizei wenden.

„SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht.“ ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der beiden öffentlich-rechtlichen Sender Das Erste und ZDF sowie der Programmzeitschrift TV SPIELFILM. Der Medienratgeber für Familien unterstützt seit 2003 Eltern und Erziehende dabei, Kinder im Umgang mit Medien zu stärken.

Anmerkung für Redaktionen: Wir vermitteln auch gern Interviewpartner zu diesem Thema.

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