Cybermobbing – das muss nicht sein!

Zusatzmaterial für Pädagogische Fachkräfte

Cybermobbing – das muss nicht sein!

Sowohl die Teilnehmerzahl, die Dauer, die Methoden als auch das Material des Angebotes verstehen sich als Anregungen, die den jeweiligen Rahmenbedingungen vor Ort angepasst werden können. Sie sind nicht als strenge Vorgaben zu sehen.

Ausgrenzung, Mobbing und im Speziellen Cybermobbing sind Themen, die eventuell zu den Erlebnissen und Erfahrungen von Jugendlichen Ihrer Schule gehören oder gehören könnten. Das Projekt bietet Möglichkeiten, dieses sensible Thema mit den Schülerinnen und Schülern zu besprechen. Dabei kann das Projekt präventiv, aber auch in akuten Situationen Anwendung finden und fachunabhängig eingesetzt werden. Dies erfordert jedoch eine behutsame Einschätzung der Gesamtsituation, in der sich die Klasse bzw. Projektgruppe befindet. Die Zusammenarbeit mit Fachleuten ist empfehlenswert.

Rahmenplanbezogene Lernchancen

Verbale Gewalt gegen einzelne Personen in Form von Ausgrenzungen, Beleidigungen und Verleumdungen sind in sozialen Gruppen kein explizit modernes Phänomen. Durch die stetige Weiterentwicklung von digitaler Kommunikation und webbasierten Gemeinschaften ist jedoch das Potenzial gestiegen, Äußerungen jeder Art sehr schnell und unreflektiert an einen großen Adressatenkreis zu verschicken. Die Möglichkeit von nahezu völliger Anonymität senkt die Hemmschwelle zur bösartigen Kommunikation zusätzlich und begünstigt Mobbingaktivitäten gegen Einzelne.

Durch Internet, Smartphones und andere mobile Geräte können Jugendliche in kürzester Zeit Beiträge veröffentlichen. Diese grundsätzlich positiven Möglichkeiten neuer Medien erfordern jedoch von den Nutzerinnen und Nutzern ein Verständnis dafür, was legitim ist beziehungsweise welche Werte und Normen es auch im Rahmen der Mediennutzung zu beachten gilt. Was ist moralisch vertretbar? Ab wann werden Grenzen überschritten?

Das Projekt ermöglicht eine Auseinandersetzung mit gewaltvoll-aggressiver Kommunikation im Internet und lässt Handlungsalternativen entstehen. Diese Herangehensweise findet sich auch in den Vorgaben des Rahmenplanes Medienerziehung des Landes Mecklenburg-Vorpommern wieder. Dieser sieht vor, dass Schülerinnen und Schüler eine respektvolle und verantwortungsbewusste Kommunikation im Internet und in den elektronischen Medien erlernen.39

Das Projekt bietet Anknüpfungspunkte zum Fach Sozialkunde und hier zum Themenbereich „Psychosoziale Besonderheiten des Jugendalters“.40 Insbesondere die Schwerpunkte „Rolle der Medien“ und „Entstehung von Aggressionen, ihre Funktion und Umgang mit ihnen“, die für die 8. Jahrgangsstufe vorgesehen sind, können im Rahmen des Projektes besprochen werden. Beim Umgang mit neuen und digitalen Medien müssen die gleichen Grundregeln eingehalten werden, die im normalen Alltag gelten. Diese „Regeln des Zusammenlebens“ sind auch Bestandteil des Philosophieunterrichtes, sie können hier unter den „Themenbereich II: Was soll ich tun?“41 eingeordnet und durch das Projekt thematisiert werden.

Das Projekt ermuntert Jugendliche zur Reflektion des eigenen medialen Handelns und der eigenen moralischen Verantwortung. Dies bietet unter anderem Anknüpfungspunkte zum Fach Religion und kann dort in unterschiedlichen Jahrgangsstufen Anwendung finden. Konkrete Zuordnungen sind hierbei beispielsweise zu den fachspezifischen Thematiken „Der Einzelne in Gruppe und Familie“ (Jahrgangsstufe 7), „Gewissen“ (Jahrgangsstufe 9) und „Gewalt“ (Jahrgangsstufe 10) möglich.42 Im Rahmen des Projektes lernen die Schülerinnen und Schüler zudem Informationen zielgruppengerecht aufzuarbeiten und weiterzugeben. Daher eignet es sich auch für die Umsetzung von Zielen im Fach Deutsch. Die KMK-Bildungsstandards für den Mittleren Schulabschluss im Fach Deutsch sehen vor, dass Medien verstanden und genutzt werden können.43 Die Schülerinnen und Schüler sollen ihre Recherche-Ergebnisse und gegebenenfalls die eigenen Erfahrungswerte in Form von Filmen, Rollenspielen, Kollagen oder Fotostorys veranschaulichen. Dies bietet vielschichtige Möglichkeiten, die eigenen Auftritts- und Medienkompetenzen zu schulen. Im Rahmen dieser vermittelnden Aufgabe werden die sprachlichen und artikulatorischen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler gestärkt.

Sensibilisierung und Einstieg

Mobbing und Cybermobbing sind Themen, die einen möglichst sensiblen Umgang erfordern. Idealerweise gelingt es in diesem Projekt, alle Schülerinnen und Schüler zu einem Erfahrungsaustausch zu bewegen. Damit die Hemmschwelle, sich zu diesen Themen zu äußern, gesenkt wird, bietet sich zum Auftakt die Methode der verdeckten Punktabfrage an. Dabei können persönliche und intime Fragen gestellt werden, ohne dass sich eine einzelne Person bloßstellen muss.

Als mögliche Antwortvorgaben bieten sich folgende Aussagen an:

  • Ich habe Mobbing bei anderen miterlebt.
  • Ich habe Mobbing selbst erfahren.
  • Ich habe Cybermobbing bei anderen miterlebt.
  • Ich habe Cybermobbing selbst erfahren.
  • Ich kam selbst einmal in Versuchung, mich im Internet schlecht über andere zu äußern.

Die Schülerinnen und Schüler können die Antworten, die auf sie zutreffen, markieren, indem sie dort Aufkleber (Punkte aus Papier) befestigen. Die Punktabfrage erfolgt einzeln und hinter einer aufgeklappten Tafel bzw. hinter einem Flipchart. Wichtig hierbei ist, dass Sie als pädagogische Fachkraft am Anfang selbst verschiedene Antworten markieren, dann können die Schülerinnen und Schüler, die nachfolgen, die Antworten ihrer Vorgängerinnen und Vorgänger nicht erkennen, und das Verfahren bleibt weitestgehend anonym. Haben alle ihre Markierungen angebracht, werden die Punkte, die Sie zu Beginn angeklebt hatten, wieder entfernt, damit das tatsächliche Ergebnis der Klasse sichtbar wird.

Die Schülerinnen und Schüler betrachten die Markierungen der Punktabfrage gemeinsam und erkennen dabei, wie relevant die Themen „Mobbing“ und „Cybermobbing“ in ihrer Klasse sind. Die Ergebnisse der verdeckten Punktabfrage können als Grundlage für eine Gesprächsrunde genutzt werden. Nach dem allgemeinen Einstieg erarbeiten die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen eine Definitionssammlung zum Thema „Cybermobbing“. Dafür nutzen sie das Internet, Broschüren oder spezifische Literatur zum Thema „Cybermobbing“. Das Arbeitsblatt 1 – Was ist Cybermobbing? kann als Hilfestellung zu den unterschiedlichen Aspekten von Cybermobbing hinzugezogen werden. Die Kleingruppen stellen abschließend ihre Untersuchungsergebnisse der Klasse vor.

Was kann ich gegen Cybermobbing tun?

In der nächsten Projekteinheit werden die gesammelten Erkenntnisse nochmals zusammengefasst. Anschließend erarbeiten die Schülerinnen und Schüler in Gruppen Handlungsmöglichkeiten zur Vermeidung und Bekämpfung von Cybermobbing.

Um die kreative Ideenfindung oder szenische Gestaltung anzuregen, bietet sich an dieser Stelle die Methode Replay an. In Kleingruppen wird eine Szene zum Thema „Cybermobbing“ gespielt. Bei der Präsentation der Szene können die Zuschauenden durch das Rufen des Wortes „Replay!“ eine Handlungsalternative einfordern. Entweder muss die Szene von den Darstellenden sofort improvisiert werden, oder die Jugendlichen wenden zwei bis drei Handlungsalternativen an, die zuvor besprochen und einstudiert wurden.

Zur Verteilung der möglichen Rollen kann das Arbeitsblatt 2 – Szenen von Cybermobbing genutzt werden. Die Schülerinnen und Schüler ziehen verdeckt eine Karte und übernehmen die notierte Rolle in der Szene. Durch dieses Verfahren wird vermieden, dass reale Dynamiken und Beziehungen der Gruppe in die szenische Arbeit mit einfließen. Gleichzeitig können vorhandene Rollen aufgebrochen werden und Perspektivwechsel erfolgen. Anschließend erarbeiten die jeweiligen Kleingruppen eine eigenständige Präsentation über Handlungsmöglichkeiten gegen Cybermobbing. Dies kann in Form einer Fotostory, eines Kurzfilmes, eines Rollenspieles, eines Hörbeitrages, eines Podcasts oder eines Plakates erfolgen.

Präsentation und Reflexion

Zum Abschluss des Projektes stellen die Schülerinnen und Schüler ihre Präsentationen vor. Nach den Präsentationen erfolgt eine abschließende Gesprächsrunde. Diese kann durch die Methode Heißer Stuhl eingeleitet werden. Hierbei schlüpfen die Jugendlichen nochmals in die Rollen, die sie beim Replay eingenommen hatten. In diesen Rollen können sie von ihren Mitschülerinnen und Mitschülern nochmals befragt werden, sich Meinungen anhören, Ratschläge geben lassen oder selbst Anmerkungen machen. Da die Schülerinnen und Schüler Figuren spielen und nicht persönlich im Fokus stehen, können alle Dinge geäußert werden, ohne dass eine reale Person angegriffen oder bloßgestellt wird.

Durch ein abschließendes Stimmungsmemory können die Schülerinnen und Schüler am Ende des Projektes individuell ihre Meinungen und Gefühle zum Projekt und zum Thema „Cybermobbing“ artikulieren und zusammenfassend reflektieren.

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